Lebensversicherung Utopie

 

 

 

In diesem Zusammenhang verweise ich auf den Link Garantiezinslüge.

                                                                                   

 

Zusammenschnitt des Wortprotokolls

Bericht ARD – Plus Minus am 16.09.2015

 

Lebensversicherung: Das Ende des Garantiezinses

 

Noch in den 90er Jahren galt die Kapital-Lebensversicherung oft als dauerhafte Sicherheit mit hohen Renditen. Garantierte hohe Zinsen für die Sparanteile versprachen gute Auszahlungssummen zum Ende der Laufzeit. Doch die Versicherungsunternehmen haben immer mehr Schwierigkeiten, ihre Versprechen zu halten. Und Lebensversicherungen mit Garantiezins soll es bald vielleicht gar nicht mehr geben.

 

Satte 4 Prozent gab es in den 90igern. Dann begann die Talfahrt des Garantiezinses – auf

zuletzt magere 1,25 Prozent seit diesem Jahr. Ebenfalls auf Talfahrt sind die in Aussicht gestellten Auszahlungssummen einschließlich Überschussbeteiligungen für die Versicherten.

 

Bei Vertragsabschluss stellte die Versicherung den Merks (Name geändert) eine Auszahlungssumme von fast 56.000 Euro in Aussicht. Die aktuelle Berechnung dagegen ein Schock: Knapp 35.000 Euro - über ein Drittel weniger fürs Alter.

 

 

Eigene Einfügung:

 

Kein Geld ist vorteilhafter angewandt als das, um welches wir uns haben prellen lassen; denn wir haben dafür unmittelbar Klugheit eingehandelt.

 

Nietzsche

 

 

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten:

 

"Wenn ich mir anschaue, welche Milliarden-Beträge in den Reserven stecken, dann landen wir bei einer Größenordnung, mit der man Griechenland retten könnte. Diese Gelder werden den Kunden heute aber vorenthalten, obwohl es den Kunden schlecht geht, sie geringe Überschüsse oder gar keine Überschüsse mehr bekommen. Da ist etwas faul am System."

 

 

Eigene Einfügung:

 

Je reicher einer ist, desto leichter ist es für ihn, ein Lump zu sein.

 

Gilbert Keith Chesteron

 

 

 

 

Die Zukunft der Lebensversicherung

 

Peter Schwark, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft:

 

"Das Zentrale ist, dass, wenn wir eine bestimmte Leistung versprechen, dass wir sie auch erbringen können. Und das aktuelle Kapitalmarktumfeld mit den sehr niedrigen Zinsen bedeutet, dass wir diese Leistung nur garantieren können, wenn wir entsprechend auch sichere Zinspapiere einkaufen mit sehr langen Laufzeiten. Und wenn wir die Chancen der Kapitalmärkte auch nutzen, wollen wir auch andere Kapitalanlagen mit beimischen. Die beinhalten größere Risiken und die können wir auch dann entsprechend nur beimischen, wenn wir nicht die gleichen Garantien geben wie früher."

 

 

Längere Laufzeiten und höhere Risiken, ist das wirklich ein besseres Produkt für den Verbraucher?

 

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten:

 

"Das was diese Produkte eint ist, dass die Garantien deutlich runter gefahren sind. Das Garantieprofil ist deutlich schlechter. Der Kunde kann es aber nicht erkennen. Denn diese Produkte sind sehr sehr intransparent. Ob am Schluss überhaupt dann im Gegenzug höhere Chancen auf höhere Renditen da sind, das weiß heute noch niemand."

 

Und bei den neuen Verträgen ist das Risiko für die Sparer noch höher. Im schlimmsten Fall könnte man am Ende weit weniger ausgezahlt bekommen, als man eingezahlt hat.

 

 

Prof.Hans-Peter Schwintowski

 

Dass solche Produkte jetzt die klassische Lebensversicherung ersetzen sollen, ist aus Sicht des Versicherungsrechtlers Prof. Hans-Peter Schwintowski auch ein soziales Problem: "Die kleinen Leute sind auf die Garantien tatsächlich am meisten angewiesen, nicht die Reichen."

 

 

Eigene Einfügung:

 

Wer einmal warm gebettet ist, vergisst gern, wie es Leuten zumute ist, denen es am Notwendigsten fehlt.

 

Adolf Kolping

 

 

 

Wortprotokoll Plus Minus Sendung am 15.09.2015, ungekürzte Fassung:

 

 

Lebensversicherung: Das Ende des Garantiezinses

 

Lebensversicherung: Das Ende des Garantiezinses | Video verfügbar bis 15.09.2016

 

 

Noch in den 90er Jahren galt die Kapital-Lebensversicherung oft als dauerhafte Sicherheit mit hohen Renditen. Garantierte hohe Zinsen für die Sparanteile versprachen gute Auszahlungssummen zum Ende der Laufzeit. Doch die Versicherungsunternehmen haben immer mehr Schwierigkeiten, ihre Versprechen zu halten. Und Lebensversicherungen mit Garantiezins soll es bald vielleicht gar nicht mehr geben.

 

Vor zwanzig Jahren hat Familie Merk eine Lebensversicherung abgeschlossen, mit einem Garantiezins von 4 Prozent. In fünf Jahren läuft die Versicherung aus.

 

Wie in vielen Familien sollte es eine zusätzliche Altersvorsorge sein: "Wir hatten uns so verständigt, dass sie für die Kinder zu Hause bleibt die ganzen Jahre und da geht ihr natürlich ein riesen Anteil an Rente verloren. Und um da einen Ausgleich zu schaffen, haben wir gedacht, die Lebensversicherung ist das Beste heutzutage ... Dachten wir, das würde einen Ausgleich geben für die Rente."

 

Doch seit Jahren sinken die Überschussbeteiligungen. Bei Vertragsabschluss stellte die Versicherung den Merks eine Auszahlungssumme von fast 56.000 Euro in Aussicht. Die aktuelle Berechnung dagegen ein Schock: Knapp 35.000 Euro - über ein Drittel weniger fürs Alter.

 

Der  Lebensversicherung als privater Altersvorsorge geht die Luft aus und die Leidtragenden sind die Sparer!

 

 

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten:

 

 "Wenn ich mir anschaue, welche Milliarden-Beträge in den Reserven stecken, dann landen wir bei einer Größenordnung, mit der man Griechenland retten könnte. Diese Gelder werden den Kunden heute aber vorenthalten, obwohl es den Kunden schlecht geht, sie geringe Überschüsse oder gar keine Überschüsse mehr bekommen. Da ist etwas faul am System."

 

Und jetzt wollen sich immer mehr Versicherer auch noch komplett von Garantiezusagen verabschieden. Talanx mit der Marke HDI Leben, Generali und seit kurzem die ERGO – alle wollen die klassische Lebensversicherung nicht mehr anbieten.

 

 

 

Professor Hans-Peter Schwintowski, Versicherungsrechtler HU Berlin:

 

 "Die deutschen Versicherer haben immer gesagt, das können wir nie aufgeben. Für mich ist jetzt die Tatsache, dass sie es doch aufgeben wollen, so etwas wie ein Armutszeugnis."

 

 

Dabei ist es mit der staatlich festgelegten Garantie für Lebensversicherungen sowieso nicht mehr weit her. Satte 4 Prozent gab es in den 90igern. Dann begann die Talfahrt des Garantiezinses – auf zuletzt magere 1,25 Prozent seit diesem Jahr. Ebenfalls auf Talfahrt sind die in Aussicht gestellten Auszahlungssummen einschließlich Überschussbeteiligungen für die Versicherten. Schuld daran seien die Niedrigzinsphase und die gesetzlichen Rahmenbedingungen, verteidigen sich die Lebensversicherer. Nun werben sie für ihre neuen Produkte mit flexibler Gewinnbeteiligung. Das war es dann mit dem Garantiezins!

 

Peter Schwark, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft:

 

"Das Zentrale ist, dass, wenn wir eine bestimmte Leistung versprechen, dass wir sie auch erbringen können. Und das aktuelle Kapitalmarktumfeld mit den sehr niedrigen Zinsen bedeutet, dass wir diese Leistung nur garantieren können, wenn wir entsprechend auch sichere Zinspapiere einkaufen mit sehr langen Laufzeiten. Und wenn wir die Chancen der Kapitalmärkte auch nutzen, wollen wir auch andere Kapitalanlagen mit beimischen. Die beinhalten größere Risiken und die können wir auch dann entsprechend nur beimischen, wenn wir nicht die gleichen Garantien geben wie früher."

 

Längere Laufzeiten und höhere Risiken, ist das wirklich ein besseres Produkt für den Verbraucher?

 

 

 

Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten:

 

"Das was diese Produkte eint ist, dass die Garantien deutlich runter gefahren sind. Das Garantieprofil ist deutlich schlechter. Der Kunde kann es aber nicht erkennen. Denn diese Produkte sind sehr sehr intransparent. Ob am Schluss überhaupt dann im Gegenzug höhere Chancen auf höhere Renditen da sind, das weiß heute noch niemand."

 

Was Versprechungen der Versicherer ohne Garantien wert sind, davon können Altkunden wie die Merks ein Lied singen: "Das ist ein absoluter Flop gewesen. Wenn ich das neueste Schreiben sehe, was mir zugegangen ist, mit dieser Reduzierung. Unmöglich!"

 

Und bei den neuen Verträgen ist das Risiko für die Sparer noch höher. Im schlimmsten Fall könnte man am Ende weit weniger ausgezahlt bekommen, als man eingezahlt hat.

 

 

Prof.Hans-Peter Schwintowski

 

Dass solche Produkte jetzt die klassische Lebensversicherung ersetzen sollen, ist aus Sicht des Versicherungsrechtlers Prof. Hans-Peter Schwintowski auch ein soziales Problem: "Die kleinen Leute sind auf die Garantien tatsächlich am meisten angewiesen, nicht die Reichen."

 

 

Aus seiner Sicht könnte man den Garantiezins durchaus retten, mit kleinen Änderungen bei den Kündigungsfristen:

 
"Das Gesamtsystem hat sich im Grunde selbst abgeschafft, weil die deutschen Lebensversicherungs-Verträge Jahr für Jahr kündbar sind. Die Folge davon ist, dass die Versicherer das Geld nur ganz ganz kurzfristig anlegen können. Wenn man das anders machen würde, könnte man viele und auskömmliche Zinsen erwirtschaften und dann könnte man auch die kapitalbildende Lebensversicherung erhalten."

Doch daran haben viele Konzerne offenbar kein Interesse mehr. Die Lebensversicherung mit Garantiezins verabschiedet sich.

 

 

Stand: 17.09.2015 16:45 Uhr