Ablasshandel,

 

15. Jahrhundert und / bis (?)

 

21. Jahrhundert

 

 

15. Jahrhundert:

 

„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer in den Himmel springt.“

 

Die Bürger dachten, dass sich die Zeit im Fegefeuer durch den Ablassbrief verkürzt.

 

Einige beichteten Luther, dass sie die Ablassbriefe gekauft hätten, aber ihre Sünden nicht einsehen wollten, deshalb wollten sie mit ihren Sünden genauso weitermachen wie bisher.

 

 

 

Das Studium des Rechts ist schmutzig und gewinnsüchtig, denn sein letzter Zweck ist Geld; man studiert die Rechte nicht zur Ergötzung und um der Kenntnis der Dinge willen.

 

Martin Luther

 

 

 

Hierzu:

 

21. Jahrhundert

 

Auszug

Süddeutsche.de – Wirtschaft – vom 05.08.2014 – Ecclestone-Prozess

 

Kommentar von Heribert Prantl

 

„Zahlt der Täter genug Geld, ist die Sache aus der Welt

 

Das Strafverfahren wird kommerzialisiert: Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zahlt 100 Milli­onen Dollar, das Münchner Landgericht stellt den Prozess gegen ihn ein.

 

... Das Bild, das der Gesetzgeber vor Augen hatte, sah so aus: Der Angeklagte legt ein Geständnis oder ein Teilgeständnis ab, für das man ihm eine milde Strafe zusagt. ... Im Ecclestone-Verfahren geht der Deal bedeutend weiter: Ecclestone gesteht gar nichts, er zahlt nur sehr viel Geld –dafür aber wird das Verfahren komplett einge­stellt nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung."

 

 

Auszug

Süddeutsche.de – Panorama – vom 19.11.2013 –

 

"Ablass für den Bischof von Limburg

 

Von Matthias Drobinski

 

… Das Strafverfahren gegen den Bischof ist „gegen Zahlung von 20.000 Euro an die Staats­kasse vorläufig eingestellt“, teilt das Gericht mit und fügt hinzu: Der Beschluss ist nicht anfechtbar. …“

 

 

Auszug

Süddeutsche .de – Wirtschaft – vom 26.08.2014 –

 

"Ex-BayernLB-Vorstände zahlen und gehen

 

Von Stephan Radomsky

 

...

Geringe Geldauflagen für ehemalige Vorstände

 

Für vier von sechs Angeklagten endet der BayernLB-Prozess nicht mit einem Urteil: Das Landgericht München stellt das Verfahren gegen die früheren Vorstände gegen geringe Geld­auflagen ein. Michael Kemmer, Ex-Vorstandschef der BayernLB und inzwischen Geschäfts­führer des Deutschen Bankenverbandes, muss 20.000 Euro zahlen. 15.000 Euro sind es für den früheren Vizechef der Landesbank, Theo Harnischmacher, und je 5.000 Euro für die ehemali­gen Vorstände Ralph Schmidt und Stefan Ropers. …

 

Auch diese Verfahren sind nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung eingestellt worden. ...

 

Josef Ackermann stand als Chef der Deutschen Bank im spektakulären Mannesmann-Prozess vor Gericht ... behielt aber nach Zahlung einer Geldauflage von 3,2 Millionen Euro seinen Posten."

 

 

Urteilen Sie selbst   !!!

 

Vor 500 Jahren nannte man diese Deals noch Ablasshandel.

 

 

Einstellung gem. § 153a StPO – keine Schuld, keine Strafe

Die Beendigung eines Ermittlungsverfahrens durch Einstellung nach § 153a StPO gegen Wei­sungen oder Auflagen kann für den Beschuldigten vorteilhaft sein. Vor allem dann, wenn der Rechts- und die Beweislage eindeutig gegen den Beschuldigten spricht, eine Verurteilung also überwiegend wahrscheinlich ist, kann die Einstellung gegen Auflagen ein Weg sein, eine Bestrafung zu vermeiden. Zwar ist die Einstellung nach § 153a StPO – anders als eine Einstellung wegen Geringfügigkeit nach § 153 StPO – nicht folgenlos, denn zumeist muss der Betroffene einen Geldbetrag an die Staatskasse oder an eine gemeinnützige Einrichtung leisten. Allerdings bleibt dem Beschuldigten der Strafmakel erspart: Eine Schuld wurde nicht festgestellt, die Unschuldsvermutung gilt fort, er ist nach wie vor „unbestraft“, eine Eintragung in das Bundeszentralregister erfolgt nicht (und damit auch nicht im Führungs­zeugnis). Dies sind beachtliche Vorteile, die die Einstellung nach § 153a StPO in vielen Verfah­ren auch zu einem wichtigen Verteidigungsziel machen.